Tanzfotografie | High-speed Dance Photography

Die Seele des Tanzes

Die Fotografien der Serie Études sind inspiriert und angetrieben von der reinen und zeitlosen Energie des klassischen Tanzes. Unter der bewegten Oberfläche zeigen diese Arbeiten einige der markanten Eigenschaften der Fotografie, die der Essayist und Philosoph Walter Benjamin (allgemein) schätzte:

„Hier interveniert die Kamera mit den Mitteln ihrer Senkungen und Hebungen, ihrer Unterbrechungen und Isolierungen, ihrer Erweiterungen und Beschleunigungen, ihrer Vergrößerungen und Verkleinerungen. Die Kamera führt uns in die unbewusste Optik ein wie die Psychoanalyse in die unbewussten Impulse. „
(Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter der mechanischen Vervielfältigung, Teil XIII, 1936)

(Jump to English text below the images)

Diese Gedanken aufgreifend, gewähren die Études-Fotografien einen tiefen Einblick in die innere Mechanik des Bildermachens und die ihr innewohnenden Motivationen. Klassische Tanzbewegungen werden in einem aufwendigen technischen und künstlerischen Prozess mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten aufgenommen, dabei verlängert oder beschleunigt, auch unterbrochen. Abschnitte werden visuell hervorgehoben und gruppiert. Benjamins „unbewusste Optik“ könnte sich auf die schnellen Tanzbewegungen beziehen, die nun in jedem Impuls und Detail zu erkennen sind.
Frühere Versuche, Bewegung darzustellen, waren aus technischen Gründen meist auf schwarze Räume beschränkt. Diese Räume ähnelten den Labors, in denen die Chrono- oder Hochgeschwindigkeitsfotografie entstand, wie das Labor des Ingenieurs und Fotografen Harald E. „Doc“ Edgerton am M.I.T. in den 1920er Jahren. Bei der Chrono-Fotografie geht es darum, schnelle Bewegungen in Einzelbildern oder Sequenzen abzubilden. Den Pionieren der Technik gelang es bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, schnelles Geschehen verschiedenster Art abzubilden und definierte damit teilweise die Art und Weise, wie Ereignisse, die für das menschliche Auge zu schnell sind, heute wahrgenommen werden.

Die Verwendung des elektronischen Blitzlichts als Hochgeschwindigkeits-Stroboskop bietet die Möglichkeit, die Zartheit und Anmut des klassischen Tanzes auf Film zu bannen. Durch den Einsatz spezieller, verbesserter Kameraausrüstungen und Abtasttechniken des 21. Jahrhunderts ist es möglich, eine Tänzerin in vielen verschiedenen aufeinanderfolgenden Bewegungen auf der Bühne darzustellen. Jede elegante Bewegung der in Georgien geborenen Ballerina Tata Jashiashvili ist in den großflächigen Sequenzbildern akribisch festgehalten. Durch diese fruchtbare Zusammenarbeit der Ballerina, die auf internationalen Bühnen wie der Berliner Staatsoper zu Hause ist, und des technisch versierten Fotografen entstanden Bilder, die es ermöglichen, die Schönheit der Tanzbewegungen in Panoramabildern zu genießen, die das gesamte Blickfeld des Zuschauers mit feinen Details füllen. 

Acht Études-Fotografien von Horst Kløver waren Teil des Kunstportfolios der Galerie Lumas edition.


English:

The Soul of Dance

The Études photographs are inspired and driven by the pure and timeless energy of classical dance. Below the eventful surface, these works show some of the prominent characteristics of photography, which the essayist and philosopher Walter Benjamin appraised (in general):
„Here the camera intervenes with the resources of its lowerings and liftings, its interruptions and isolations, its extensions and accelerations, its enlargements and reductions. The camera introduces us to unconscious optics as does psychoanalysis to unconscious impulses.“ (*Walter Benjamin, The Work of Art in the Age of Mechanical Reproduction, part XIII, 1936, transcribed by Andy Blunden 1998)

Taking up these thoughts, the Études photographs provide a deep insight into the inner mechanics of picture-making and its intrinsic motivations. Classical dance moves are recorded with different speeds in an elaborate technical and artistic process, thereby extended or accelerated, also interrupted. Sections are visually emphasized and grouped. Benjamin’s „unconscious optics“ could relate to the rapid dance movements, now to be recognized in every impulse and detail.
Earlier attempts to depict motion mostly were limited to black spaces for technical reasons. These spaces resembled the laboratories where chrono- or high-speed photography originated, like the lab of engineer and photographer Harald E. „Doc“ Edgerton at the M.I.T. in the 1920s. Chrono-photography is focussing on picturing rapid movements in single images or sequences. The pioneers of the technique already succeeded in depicting rapid action of various kinds in the second half of the 19th Century and so partly defined the way how events, which are too fast for the human eye, are perceived today.

Using the electronic flashlight as a high-speed stroboscope gives the possibility to capture the delicacy and grace of classic dance on film. The use of specific enhanced camera equipment and 21st-century scanning techniques made it possible to portray a dancer in many different sequential moves on stage. Every elegant movement of Georgian-born ballerina Tata Jashiashvili is meticulously recorded in the wide sequential images. This fruitful cooperation of the ballerina – a performing artist at home on international stages like the Berlin State Opera – and the tech-savvy photographer generated images which make it possible to enjoy the beauty of dance movements in panoramic pictures filling the entire spectator’s field of vision with delicate detail. 

Eight Études photographs by Horst Kløver have been part of the art portfolio of Lumas edition gallery.

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